Musica Ahuse


Liebeslyrik in der Kirche

Rieser Nachrichten vom 11.09.2019

Ein ungewöhnliches Thema war in der Klosterkirche in Auhausen zu hören

Von Ernst Mayer

Ein ungewöhnliches Thema in unserer Zeit, in der die christlichen Kirchen möglichst die Erotik aus den biblischen Überlieferungen ausblenden. Dass für Liebestexte in der Bibel zahlreiche Beispiele vorhanden sind, die in vergangenen Zeiten vor allem in der Musik thematisiert wurden, erlebten die Besucher im Konzert des „Ensemble Marescotti“ in der Klosterkirche Auhausen. Besonders beliebt bei den Komponisten waren die Texte aus dem Hohen Lied Salomos, beispielsweise in Kapitel 4,1 „O quam pulchra es amica mea“ Diese Worte stellte das Ensemble in den Mittelpunkt ihrer musikalischen Programmauswahl, beginnend mit Paolo Giovanni Cimas „Quam pulchra es“ (Wie bist du schön!)“

Ein wohlklingend durch den romanischen Kirchenraum schwebendes Zusammenspiel der Flöten und des begleitenden Cembalos vereinigte sich hierbei mit dem lyrischen Gesang der Sopranistin und schuf einen wunderbaren Gleichklang von Stimme und Instrumenten. „Meine Taube, lass mich sehen dein Gesicht voll Anmut und hören deine Stimme süß“. Paolo Giovanni Cimas Musik fand besonderen Ausdruck im vokalreichen lateinischen Text der Heiligen Schrift und ließ die Worte „Surge propera amica mea“ (Mach dich auf, meine Freundin, meine Schöne!) auf die Zuhörer inhaltlich und gefühlsmäßig wirken. Angeregt von den italienischen Meistern seiner Zeit gelang es auch Heinrich Schütz, seine Kompositionen in solche Stimmungen zu versetzen. Auf seinen Studienreisen nach Italien nahm er die Anregungen der damals berühmtesten Komponisten und ihrer Kompositionskunst auf. Er lernte von ihnen, insbesondere von Giovanni Gabrieli, bei dem er seine Studien vollendete und nach seinem Vorbild seine Psalm-Vertonungen stilistisch bereicherte. In der Psalmvertonung „Herr unser Herrscher“ gelang ihm dies trotz der etwas spröderen deutschen Textvorlage. Er wirkte gegenüber Bartolomeo Montalbanos lebendiger Komposition „Marescotti“, ein Satz aus einer Sinfonie, die offenbar auch den Namen des Ensembles prägte, keineswegs als stilistischer Gegensatz.

Die vier herausragenden Experten für die Instrumentalmusik des Frühbarock faszinierten die Zuhörer in der „Ciaconna“ des Tarquinio Merula mit ihrem vollkommenen Ensembleklang. Sie boten auch die Gelegenheit, ihre solistischen Qualitäten bewundern zu lassen. Continuo-Cembalist Volker Jänig beeindruckte an der Orgel mit der transparent gestalteten „Toccata quarta“ von Michelangelo Rossi, Katrin Krauß-Brandi mit einem faszinierenden Blockflötensolo, einer „Ricercata“ von Aurelio Virgiliano, und Blockflötist Hartmut Ledeboer bekam spontanen Beifall für „Vestiva i colli“ von Francesco Rognoni. - Diese Komponisten der frühen Barockzeit sind die weithin unbekannten Wegbereiter für die heute bewunderten Klassiker gewesen.

Als besonders beeindruckende Höhepunkte gestalteten die Ensemblemitglieder Claudio Monteverdis musikalisches Glaubensbekenntnis „Confitebor tibi domine“ und seine Version über die Liebesschwüre Salomos und seiner Frauenverehrung im Hohen Lied. Die einfühlsame, klare Stimme der Sopranistin Uta Singer verschmolz mit den Instrumenten zu einer klanglichen Einheit und riss in dieser Homogenität mit dem Schlussstück „Lobet den Herrn“ von Heinrich Schütz die Zuhörer zu begeistertem Beifall hin.

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