Musica Ahuse


PER-SONAT

Tears of Joy and Sorrow

am Samstag, 2. Mai 2026 um 19:30 Uhr
» ehem. Klosterkirche Auhausen

geistliche Lieder aus mittelalterlichen Handschriften entlang der Pilgerwege

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Karin Weston - Gesang, Harfe
Mélina Perlein - Féliers, Harfe
Sabine Lutzenberger - Gesang, Harfe, Lg.

Wer kennt den Song der britischen Rock-Band The Stranglers nicht, der das Leben hinterfragt und im Refrain There’s Always The Sun Hoffnung atmet? Zu allen Zeiten ist die Musik zum Sprachrohr und zum Seelentröster der Menschen geworden. Im Mittelalter wendeten sich die Menschen mit all ihren Anliegen im Gebet und im Gesang an Heilige und Märtyrer, die als Vermittler zwischen Gott und Mensch stehen. Die Gottesmutter Maria, als Schutzpatronin, nimmt den höchsten Rang unter den Heiligen ein. Ihr sind unzählige Lieder gewidmet, die die Wünsche und Bitten der Menschen in sich tragen. Dabei galten Pilgerstätten als Brücken zwischen Himmel und Erde.

Auf dem Programm stehen Lobgesänge an die Heiligen aus verschiedenen Handschriften des Mittelalters.

Es handelt sich um eine Auswahl aus den Codices: Las Huelgas, Codex Calixtinus, Laudario di Cortona und Zypern Codex auf die wir noch ausführlich zu sprechen kommen.

Durchbrochen wird das Programm mit Klage-, respektive Liebesliedern einer Frau über den Verlust ihres Geliebten. Es sind die Cantigas de amigo des Dichters Martín Codax, eines galicisch-portugiesischen Troubadours. Die sieben Miniaturen erzählen von einem Mädchen, das über das Ausbleiben ihres Geliebten klagt. Von Sehnsucht, Verzweiflung und Angst getrieben vertraut sie sich den Wellen des Meeres an.

O Wellen der Bucht von Vigo,
habt ihr meinen Geliebten gesehen, der fortgegangen ist?
O Wellen, schöne Wellen des wogenden Meeres,
habt ihr meinen Geliebten gesehen, wehe mir?
Habt ihr meinen Geliebten gesehen,
den ich ersehne und um den ich unaufhörlich traurig weine?
Habt ihr meinen Geliebten gesehen,
um den ich Tag und Nacht trauere?
Rfr. Ach Gott, wird er bald zu mir kommen?

Auch fordert sie Mutter und Freundin auf, mit ihr zum Strand zu gehen und auf die Ankunft ihres Liebsten zu warten. In repetitiven Verszeilen schaukeln sich Hoffnung und Resignation gegenseitig hoch. Der Schmerz über den Verlust treibt das Mädchen fast in den Wahnsinn, gäbe es da nicht die Wellen des Meeres, die Mutter, Freundin und Gott, denen sie sich anvertraut.

Im Spannungsfeld von Verzweiflung und Hoffnung stehen sich Liebesklagen und Anrufung der Heiligen gegenüber.

Der Codex Las Huelgas (ca. 1340) ist eine wichtige Quelle für die Musik der Notre-Dame-Zeit. Diese Handschrift entstammt dem nordspanischen Zisterzienserinnenkloster Santa Maria la Real de Las Huelgas in Burgos und liegt auf dem Jakobs-Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Sie enthält 186 geistliche Kompositionen aus dem 13./14. Jahrhundert. Die Frauen des Konvents sangen in der Messe und im Stundengebet komplexe, mehrstimmige Musik. Das Kloster war die Grablege bedeutender Herrscherpersönlichkeiten und die Verbindung zu einflussreichen Machthabern der Zeit schien auf die musikalische Prachtentfaltung in diesem Kloster einzuwirken.

Der Codex Calixtinus (12. Jh.) überliefert uns die Musik zur Verehrung des Hl. Jakobus und entführt uns in eine vergangene Spiritualität, in die Welt der Pilger:innen, die sich auf den Weg nach Santiago de Compostela machten. Dort erlebten sie am Ziel ihrer Reise, in der Kathedrale, die Gesänge für den heiligen Jakob mit. Im Programm sind eine Antiphon, ein Organum und ein Hymnus zu hören.

Das Laudario di Cortona (13. Jh.) umfasst eine Sammlung volkstümlicher, einstimmiger Lobgesänge der franziskanischen Bruderschaft von Santa Maria della Laude. Diese Handschrift wurde im Jahre 1876, ca. 600 Jahre nach ihrer Entstehung, in der Kirche San Francesco in Cortona wiedergefunden. Heute wird sie in der Bibliothek von Cortona konserviert. Mit ihren einfachen, kraftvollen und andererseits zarten und einfühlsamen Melodien und Texten spiegeln sie die kontemplative Freude der Gläubigen wider.

Der Codex Turin (Zypern Codex) ist eine Musikhandschrift des 15. Jahrhunderts, die sich unter der Signatur J.II.9 in der Biblioteca Nacionale Universitaria von Turin befindet. Sie wurde für König Janus I. de Lusignan, der 1398-1432 über Zypern herrschte, geschrieben und enthält neben höfischer Musik und der Musik zur Messe zwei- bis vierstimmige Motetten, die an Maria adressiert sind. Der Codex repräsentiert die Generation französischer Komponisten der Ars Subtilior. Der experimentelle Stil mit seiner rhythmischen und harmonischen Komplexität ist stark durch Guillaume de Machaut beeinflusst. Die Handschrift diente später als Brautgabe für die Tochter von Janus, die als Anne de Lusignan (1418–1462) bekannt ist. So kam die Handschrift anlässlich der Hochzeit von Anne mit Louis, Graf von Genf, im Jahr 1434 nach Savoyen.

Sabine Lutzenberger, Januar 2026

https://per-sonat.de

Foto: Andrew Burn


Programm und Liedtexte:

2026-05-02-programm-hochkant-gefaltet.pdf (381 kB)

tears_of_sorrow_and_joy_lt_auhausen.pdf (207 kB)

Presse


Impressionen :: "Tears of Joy and Sorrow"

Musica Ahuse vom 06.05.2026

„Tears of Joy and Sorrow“ lautet der Titel des Konzerts in der Klosterkirche Auhausen , das erste Konzert der diesjährigen „Kloster Klänge“ des Vereins Musica Ahuse , eingebunden diesmal in die 26. Rieser Kulturtage.

Unter der Leitung der Mezzosopranistin und Spezialistin für mittelalterlichen Gesang Sabine Lutzenberger aus Augsburg musizierte das Ensemble „Per-Sonat“ , sprich die Sopranistin Karin Weston und die Harfenistin Melina Perlein- Feliers.

In ihren einführenden Worten erläuterte Ute Vieting , 1. Vorsitzende des Vereins das diesjährige Jahresprogramm. Es zeige eine neue Perspektive auf, gerichtet auf die Musik der Frauen im Mittelalter. Das erste Konzert dieser Reihe habe die Frau als „Pilgerin“ im Blick.

„Zu allen Zeiten ist die Musik zum Sprachrohr und zum Seelentröster der Menschen geworden. …. Im Mittelalter wendeten sich die Menschen mit ihren Anliegen an Heilige…., die Gottesmutter Maria nimmt den höchsten Rang ein“, so Sabine Lutzenberger.

Ganz besonders an diesem Konzert aber war, dass den Lobgesängen aus alten Codices des Mittelalters in lateinischer Sprache die Klage- und Liebeslieder einer Frau über ihren Geliebten gegenübergestellt wurden. Diese Lieder sind eine Rarität, weil sie vom Troubadour Martin Codax aus Vigo in Galicien einem Mädchen in den Mund gelegt wurden und so die Sicht einer Frau darstellen. Diese „Canciones de Amigo“ stammen aus dem 13. Jahrhundert und sind in galicisch-portugiesischer Sprache verfasst.

Die 7 Miniaturen , in denen das Mädchen ihre Verzweiflung und ihre Liebe den Wellen des Meeres anvertraut, bilden das Gerüst des Konzerts. Dazwischen sind die Pilgerlieder aus den verschiedenen Handschriften angeordnet.

Mit „Ondas do mar de Vigo“ schreitet Karin Weston mit ihrer glasklaren Stimme vom Hochaltar aus nach vorne in den Kirchenraum. Ihr ausdrucksvoller Gesang wird unterstrichen durch das Harfenspiel von Melina Perlein-Feliers.

Die weiteren der sieben Cantigas werden höchst abwechslungsreich gestaltet: Sabine Lutzenberger mit ihrem klaren Mezzosopran und Karin Weston treten in einen gesangliche Dialog zur Harfe ein, andere Cantigas werden solistisch, nur mit Harfenbegleitung geboten oder auch dreistimmig. Eindrucksvoll auch das „Salve, virgo regia“, in dem Karin Weston die Hauptstimme singt und von den beiden anderen Künstlerinnen im zweistimmigen Bordun begleitet werden.

Aus der Sammlung „Laudario di Cortona“ folgt ein sehr innig mit glockenreiner Stimme gesungenes „Ave, regina gloriosa“, darauf eine Lauda, ein Lobgesang an Maria Magdalena als Soloauftritt der Leiterin des Ensembles Sabine Lutzenberger.

Höhepunkt des ersten Teils war eine Lauda „De la cruel morte de Cristo“,ein raffiniertes und sehr anspruchsvolles Arrangement aus wechselndem Gesang der drei Stimmen in Variation mit dem Spiel der drei Harfen. Erstaunlich die Klanggewalt dieser sehr kleinen, gotischen Vorbildern nachgebauten Harfen!

Ein Harfensolo der kunstfertigen Melina Perlein-Feliers durfte sowenig fehlen wie verschiedene Sologesänge der beiden anderen Künstlerinnen. Eindruck machten auch die unterschiedlichen Standorte in der Kirche, von denen aus die Stimmen ertönten.

Bewegend insgesamt war der besondere klare Gesang des Mittelalters. Ein meditativ wirkender Abend, der in der Musikauswahl eine Reise von Vigo am wilden Atlantik über Santiago di Compostela nach Cortona in Mittelitalien bis nach Zypern nachempfand. Aus den genannten Orten stammen die klösterlichen Musikmanuskripte.

Der Beurteilung eines Konzertbesuchers habe ich nichts hinzuzufügen: “Es war ein sehr ansprechendes, insbesondere hochkarätiges Konzert.“

Monika Knecht-Frey

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